Blüemle und Füürle
Sie hatten nicht den Gedanken an einen Naturgarten, wenn sich Fabienne und Ruedi den Aussenraum ihres frisch bezogenen und neu renovierten Hauses vorstellten. Doch was war denn ihre Vorstellung? Tief drinnen wussten sie es bereits, doch es verging einige Zeit, bis sich ihr Garten in ihrer Vorstellung formen und in der Realität verwirklichen konnte.
Die Nachmittagssonne setzt die Landschaft in einen goldenen Glanz. Das Anwesen der Familie liegt auf einer Anhöhe mit Sicht auf die nahen Berge. Das Haus liegt still und die Blüten der Hortensien trotzen mit alternder Schönheit der ruhenden Jahreszeit. Die Stimmung hat etwas Weiches, Beruhigendes, das auch dem aufgeregten Hundegebell nicht weicht. Neugierig schaut Lia, die Pudelhündin der Familie, durch den Gartenzaun.
Was ist es, das einem dieses Gefühl gibt, von etwas Kostbarem umgeben zu sein, wenn man in den Garten von Fabienne und Ruedi kommt? Und wie entstand dieses Idyll?
Eher zufällig haben Fabienne und Ruedi sie bei einem Spaziergang die Aussengestaltung der Stiftung Waid in Mettmenstetten entdeckt und sogleich wussten sie: Das wollen sie auch. Dieser Zufall hat sie dazu veranlasst, sich auf den Weg zu Winkler Richard Naturgärten zu machen. Seither ist ihr Garten ein fester Bestandteil ihres Alltags.
Trotz herbstlicher Temperaturen wuselt es überall, Insekten fliegen, Vögel knabbern an kargen Stängeln, Tigerschnecken kriechen im Blumenbeet, und die Kinder rennen fröhlich auf der Wiese umher, während Lia sie mit ihrem Ball zum Spiel auffordert. Das Zauberwäldchen mit dem Asthaufen hat es Laurin angetan. Dort kann er graben und bauen. Aber auch der Sandkasten, die Feuerstelle und der Kletterbaum gehören zu den Orten, an denen er sich spielend die Zeit vertreiben kann. Maleas Lieblingsplatz ist der Gemüsegarten. Dort kann sie «Blüemle», was sie besonders liebt. Im Frühling hat sie eine grosse Menge Blumensamen verstreut – und die sind aufgegangen: Wie bunte Punkte haben sich die blühenden Triebe im Garten verteilt. Mit Gisela, ihrer Nanny, arrangiert Malea die Blumen als Schmuck auf Tischen und an anderen passenden Stellen.
Auf ihren Streifzügen entdecken die Kinder viele Tiere, die sie in ihrem alten Garten nie gesehen haben: Wespenspinnen, Ringelnatter und Eidechsen sonnen sich auf dem warmen Sandstein. Selbst ein Schwalbenschwanz ist zu sehen, ein letzter Bote des Sommers.
Von ihrem Arbeitszimmer aus hat Mutter Fabienne die Ecke mit dem Gemüsegarten im Blickfeld. Die Hochbeete sind fantasievoll bepflanzt, sodass man nicht nur von Gemüse sprechen kann. «Es ist traumhaft, wenn ich von meinem Schreibtisch aus beobachte, wie der Garten lebt, und wenn ich sehe, dass wir einheimischen Tieren und Pflanzen einen Ort für ihre Entfaltung bieten. Dies schränkt uns in keiner Weise ein. Im Gegenteil, es bereichert unser Leben.» All das muss es wohl sein, was das Gefühl der Kostbarkeit aufkommen lässt, wenn man im Garten der Familie Korrodi Weber umherstreift.
Vater Ruedi kommt lachend aus dem Haus. In der Hand ein Stück Apfelwähe, in die er genüsslich beisst. Sein Lieblingsplatz im Garten ist die Pergola. «Meistens sitze ich nur da und lasse den Garten auf mich wirken.» Es erde ihn; seine Frau stimmt ihm lächelnd zu. Der hintere Teil des Gartens liegt nahe am Waldrand, niedrige Mauern aus Sandstein säumen den Sitzplatz. Ihre Patina lässt an ein Märchen denken und ein stattlicher Brunnen plätschert vor sich hin. Der war schon da, als die Familie das Haus übernommen hat. Glücklicherweise durfte er bleiben, und obwohl er weder auf einem Thron noch in der Mitte des Gartens steht, strahlt er etwas aus, das ihn zum gefühlten Mittelpunkt macht. Die hohe Sandsteinmauer, die etwas abseits als Sichtschutz dient, strahlt ihre Wärme bis zum langen Tisch, der im Moment mit Maleas Blumenschmuckutensilien beladen ist. In diesem Teil des Gartens verbringt die Familie die meiste Zeit, mit Freunden, Verwandten oder auch allein. «Wir geniessen den Garten das ganze Jahr über und sind oft draussen.» Nah am Waldrand, ein Stück Heimat. Oder wie Vater Ruedi es beschreibt: «Ich reise gern, doch seit wir diesen Garten haben, zieht es mich früher nach Hause. Aus Angst, etwas zu verpassen – etwas, das die Natur mir zeigen möchte.»
Zum Artikel Blüemle und Füürle (PDF), erschienen in der Ausgabe 1_25 der «Gartenzeit».



























